Es wird wieder mehr Deutsch gesprochen

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15 Juni 2015

Es wird wieder mehr Deutsch gesprochen

Posted in Juni 2015

Wenn Russen Schreibwaren kaufen, tun sie das gerne bei "Erich Krause". Das klingt nach deutscher Traditions-Marke, wurde aber 1994 in Moskau von Dmitrij Beloglasow gegründet, der sich die Marke von der Agentur Megapro entwickeln ließ.

Damit war der russische Unternehmer der Vorreiter eines Trends, von dem auch die sowjetische Schuhkette "Thomas Münz", der Haushaltsgerätehersteller "Kaiser" oder der Porzellanproduzent "Gipfel" profitieren. Es sind russische Unternehmen, die mit einem deutschen Markennamen und dem "Made in Germany"-Image werben.

Deutsche Produkte werden in vielen Ländern so stark mit Qualität und Langlebigkeit assoziiert, dass gerne deutsche Markennamen und sogar deutsche Slogans verwendet werden. Dafür hat Ulrich Ammon in der ganzen Welt Belege gefunden, als er für sein Buch "Die Stellung der deutschen Sprache in der Welt" recherchierte. Der Duisburger Germanistik-Professor hat in seinem 1.300 Seiten starken Buch dem Thema 'Werbung auf Deutsch außerhalb des Landes' ein ganzes Kapitel gewidmet.
Ritter Sport kann zum Beispiel in Russland "quadratisch, praktisch, gut" auf die ansonsten kyrillisch beschrifteten Verpackungen drucken, weil der Slogan dort sehr bekannt und beliebt ist. Sogar so beliebt, dass es schon Nachahmer wie den Media Markt gibt, der in Russland mit dem Claim "Fantastisch Markt! Media Markt!" arbeitet.

Deutsch schwätzen - Deutsch schätzen

Deutsch wird in der Welt offenbar wieder sehr geschätzt, denn 14,5 Millionen Menschen lernen es als Fremdsprache. Damit steht Deutsch in der Rangliste der meistgelernten Fremdsprachen auf Platz vier, hinter Englisch, Chinesisch, Französisch und knapp vor Spanisch. Wenn man dies mit Zahl der deutschen Muttersprachler vergleicht, so liegt Deutsch nur auf Platz zehn. Mehr als 105 Millionen Muttersprachler können wir eben nicht aufbieten, auch wenn wir Österreich und die deutschsprachige Schweiz mitzählen, sowie Teile von Luxemburg, Liechtenstein und Namibia, einer ehemaligen deutschen Kolonie.

Doch bei der Attraktivität als Fremdsprache steht Deutsch wieder viel höher im Kurs als das vielen Deutschen bewusst ist.

An der Universität von Pune in Indien gibt es derzeit rund 1.000 Deutsch-Studenten, vor zehn Jahren waren es nur 30 oder 40. Auch in Südeuropa ist die Zahl der Deutschlerner an den Unis gestiegen, ebenso wie in den Goethe-Instituten. Und auch die privaten Sprachschulen melden, dass weltweit wieder mehr Deutsch gelernt wird.

Das ist schön für uns, aber es ist umso interessanter, wenn man bedenkt, welche Auswirkungen diese Affinität zum Deutschen hat. Shanghai ist beispielsweise ein Zentrum des Deutschlernens in China, und VW hat nicht von ungefähr seine chinesische Niederlassung genau dort angesiedelt. Die Zusammenarbeit wird wesentlich leichter, wenn die Sprache und die Unternehmenskultur besser verstanden werden.

Außerdem hat Ulrich Ammon festgestellt, dass die Germanistik-Dozenten an der Uni in North Carolina allesamt deutsche Autos fahren. Oder dass die Deutsch-Professoren an japanischen Universitäten ihm bei seinem Besuch stolz ihre Melitta-Kaffeemaschinen gezeigt haben.

So ist nicht nur die deutsche Sprache in der Welt attraktiver geworden, sondern auch deutsche Produkte und die Werte, die sie verkörpern. 'Deutsch schwätzen - Deutsch schätzen', lautet die Formel, um es mal salopp auszudrücken.