Grammatik bei Vögeln

Sprache

14 März 2016

Diese Vögel zwitschern mit Grammatik

Posted in März 2016

Japanische Forscher haben bei der Kohlmeise echte Syntax entdeckt

Bild: Wikipedia

Schon erstaunlich, dass wir Menschen den Tieren bisher keine Grammatik zugetraut haben. Tiere warnen ihre Artgenossen, sobald sie Feinde wittern. Sie informieren sich gegenseitig über Futterquellen. Und die Männchen präsentieren sich als die besten Liebhaber unter der Sonne, wenn es Zeit für die Balz ist.

Manche Tiere können sogar "Fremdsprachen": Orcas können die Laute von Delfinen imitieren, Schimpansen können Gebärdensprache lernen und Papageien einzelne Worte der menschlichen Sprache. Auch wenn Papageien nicht wissen, was sie sagen, wenn sie etwa "Du Arschloch" krähen oder "Küss mich". Aber jede Tierart verfügt über ausreichende Kommunikation, um das gesamte Zusammenleben in der Gruppe zu regeln.

Und doch war bisher nicht klar, ob Tiere dafür Grammatik verwenden; ob sie also "Worte" haben, die sie je nach Situation zu unterschiedlichen "Sätzen" zusammenfügen. Das hatte der Mensch bisher natürlich als sein Privileg betrachtet.

 

Erster Nachweis der tierischen Grammatik

Nun haben Forscher der Rikkyo Universität in Tokyo genau das nachgewiesen. Japanische Kohlmeisen stoßen nämlich einen Ruf aus, der aus drei Tönen besteht - sagen wir: ABC - wenn sie andere Meisen vor Feinden warnen ("Paß auf"). Falls sie ihren Partner oder ihre Artgenossen zu sich rufen, lassen sie eine schnelle Abfolge von D-Lauten hören ("komm her"). Und das Entscheidende: sie kombinieren die Laute zu einer ABC-D Botschaft, wenn sie beispielsweise einen Raubvogel oder einen Nesträuber vertreiben wollen. "Das spricht dafür, dass die D-Noten die Bedeutung von ABC verändern", erläutert Toshitaka Suzuki die Schlußfolgerung der Forscher.

Um dies wissenschaftlich nachzuweisen, nahmen sie einzelne Tonfolgen auf und spielten sie den Meisen in unterschiedlicher Kombination vor. Wenn die Botschaft ABC-D ertönte, suchten die Meisen ihre Umgebung ab und näherten sich dem Lautsprecher. Ihr Verhalten entsprach also der Botschaft. Wurde die Botschaft jedoch falsch herum abgespielt (D-ABC), blieb die Reaktion aus.

Was für die Wissenschaft daran so bemerkenswert ist, zeigt das Fazit der Forscher: "Die Kombination von Signalen erhöht die Menge der verschiedenen Bedeutungen, die ein Lebewesen mit einem begrenzten Vokabular vermitteln kann."
Die Kohlmeise braucht also nicht für jede Botschaft einen eigenen Laut, sondern kann bestehende Laute zu unterschiedlichen Botschaften kombinieren. "Damit liefert dies den ersten experimentellen Beweis für eine zusammengesetzte Syntax bei einem nichtmenschlichen Tier", schließt Suzuki.

Die Veröffentlichung ist im renommierten Fach-Magazin "Nature" erschienen: http://www.nature.com/ncomms/2016/160308/ncomms10986/full/ncomms10986.html