Freie Arbeiten

Freie Arbeiten

Das musste mal gesagt werden - freie Arbeiten

Manchmal schreibe ich etwas, das in keine Schublade passt und auch von niemandem bezahlt wird. Aber ich muss es tun, weil es a) solchen Spaß macht oder b) einfach mal gesagt werden muss.

 

 

Satire: reich & sexy

Das habe ich für einen Freund geschrieben; einen Fotografen, der immer davon träumte, eines Tages reich und sexy zu sein. Er hat aber nicht nur davon geträumt, sondern auch davon gesprochen, und zwar ziemlich oft. Irgendwann konnte ich es nicht mehr hören und habe eine Gebrauchsanweisung zum Reich-und-sexy-werden geschrieben. ‚Entweder er wird es jetzt’, dachte ich, ‚oder er wird nie wieder davon sprechen‘.

Er hat tatsächlich lange nicht davon gesprochen, weil er nämlich beleidigt war. Das hat er mir später erzählt, wir sind immer noch befreundet. Ob er nun reich und sexy geworden ist ... nun, er ist gut im Geschäft, er ist verheiratet und hat Kinder. So wie Brad Pitt auch.

OK, aber nun zur Sache. Sind Sie ein Mann?
(Falls nicht, müssen wir Sie bitten, die Ausgabe für Frauen zu lesen, wenn Sie Ihr weibliches Selbstwertgefühl nicht gefährden wollen.) Gut, Sie sind also ein Mann. Und Sie wollen reich werden. Nein, Sie wollen reich und sexy werden. Hier greift bereits die erste Grundregel, die Ihren Plan wesentlich vereinfacht:

Grundregel Nr. 1

Als reicher Mann sind Sie sexy. Automatisch. Sie können so sportlich sein wie Rainer Calmund, so gutaussehend wie Günter Netzer oder so intelligent wie Boris Becker – Sie sind sexy, wenn Sie nur reich sind! (Wenn Sie allerdings alle drei Eigenschaften in sich vereinen, müssen Sie schon extrem reich sein.)

Reichtum hat eine magische Anziehungskraft auf Frauen, weil ... nun wir wollen uns hier mit komplizierten evolutionspsychologischen Erklärungen herumschlagen. Wir müssen nicht wissen, warum Frauen das Geld umschwärmen wie die Motten das Licht. Es genügt zu wissen, dass es so ist.

Geld ist die reinste Form des Reichtums, aber es gibt auch andere. Einflussreichtum ist auch nicht übel, wenn Sie sich mal die Politiker anschauen. Nicht, dass sie vor Sinnlichkeit strotzen würden. Aber Politiker sind erstaunlich oft unter den Spitzenkandidaten, wenn der attraktivste Mann des Landes gewählt wird. Doch, doch. Schauen Sie mal in die Zeitschriften 'Cosmopolitan' oder 'Joy'. Politiker verdienen zwar keine Millionen, aber auch Macht macht sexy.

Die Schattenseite dieser Macht ist allerdings, dass Sie Ihre Zeit mit ungeheuer ernsthaften Leuten auf ungeheuer ernsthaften Veranstaltungen verbringen. Sie werden sich ungeheuer langweilen. Und wenn Sie sich dann endlich mal amüsieren, steht es am nächsten Tag in der Zeitung. Falls Sie dabei richtig die Sau rausgelassen haben, kostet Sie das auch noch Ihren Job.

Schließlich gibt es noch eine Variante des Reichtums, die aber noch weniger zu empfehlen ist. Geistreich zu sein, bringt nicht viel ein. Intellektuelle und Künstler sind weder bei Frauen noch bei Männern sehr beliebt. Sie sind schwierig, eigenwillig, unberechenbar. Außerdem sind sie letztlich lieber arm und genial als reich und sexy. Geld ist also der beste und auch der einfachste Weg, wie dieses Buch zeigen wird.

Grundregel Nr. 2

Mit Arbeit werden Sie nicht reich; vor allem nicht mit ehrlicher Arbeit. Heerscharen von Tellerwäschern, die auszogen, um Millionäre zu werden, können ein Lied davon singen. Dieses Lied ist der Blues.

Grundregel Nr. 3

Sie müssen den Menschen etwas Besonderes geben, was ihnen sonst niemand gibt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte lautet:

Grundregel Nr. 3a

Sie müssen den Menschen etwas ganz Bestimmtes nehmen, bevor es ein anderer tut. Und zwar ihr Geld. Wie Sie das anstellen, werden Sie gleich sehen.

Kommen wir also zu den „Berufen“. Keine Sorge, Sie brauchen nicht viel zu lernen, und Sie brauchen selbstverständlich nicht zu arbeiten. Um reich und sexy zu werden, brauchen Sie sich lediglich von einigen moralischen Fesseln zu befreien. Und ein bisschen Chuzpe brauchen Sie auch, aber die werden Sie schnell entwickeln, wenn Sie nun lesen, wie leicht das Spiel ist.

Beschützer

Nein, ich meine nicht den Bodyguard. Das ist harte Arbeit, und außerdem nicht ungefährlich. Als Bodyguard sind Sie ein menschliches Schutzschild für jemanden, der schon reich und sexy ist. Und das wollen Sie doch schließlich selber werden.

Also sollten Sie Beschützer gewisser Damen werden, die ihre Weiblichkeit den Männern für Geld zur Vergnügung stellen. Glücklicherweise sind nicht alle Männer Gentlemen, und so kommt es immer wieder zu hässlichen Situationen, in denen die Damen Schutz brauchen. Diesen Schutz bieten Sie und erhalten dafür eine entsprechende Schutzgebühr. Die sollten Sie hoch ansetzen, denn vor allem anderen müssen Sie die Damen vor zuviel Geld schützen. Sobald sie nämlich zuviel verdienen, arbeiten sie zu wenig, trinken zu viel Champagner und geben ihr Geld für unnütze Dinge aus. Die Damen müssen also unbedingt kurz gehalten werden, damit sie weiter arbeiten. Und damit Sie reich werden. Für diesen Beruf gibt es viele Ausdrücke mit unschönem Beigeschmack. Aber das braucht Sie nicht zu stören. Die Ausdrücke sind allesamt von Männern erfunden worden, die tagsüber eine weiße Weste brauchen, und abends heimlich Ihre Damen besuchen. Pragmatisch betrachtet, bezahlen diese Männer unter anderem dafür, dass sie über Ihren Beruf herziehen. Das braucht Sie wirklich nicht zu berühren. Erstens werden Sie gut dafür bezahlt, sehr gut sogar, und zweitens sind Sie sowieso der moralische Sieger. Sie brauchen sich diesen kleinkarierten Doppelmoral-Vorstellungen nicht zu beugen. Das Schönste daran ist, dass Sie von diesen Männern insgeheim auch noch bewundert werden. Sie pfeifen auf die Konventionen und verdienen auch noch Geld damit. Eine Menge Geld. Sie sind von sexy Frauen umgeben. Sie haben einen Beruf, der gefährlich erscheint, ohne dass er es wirklich ist. Denn für den Fall, dass diese Beschützerrolle körperlich wahrgenommen werden muss, gibt es ja Bodyguards. Vor einer Gefahr dieses Berufes muss ich Sie allerdings warnen: Lassen Sie sich niemals von Ihrem Damen in Naturalien bezahlen. Das wäre Ihr Untergang. Erstens verdienen Sie dann kein Geld mehr, zweitens würden die Damen den Respekt vor Ihnen verlieren, und drittens wären Sie den ganzen Tag beschäftigt. Sie hätten also weder Zeit noch Geld, um sich Versace und Ferraris zu kaufen und damit spazieren zu fahren.

Erfinder

Dies ist ein sehr schöner, alter Beruf, und ein faszinierender dazu: Der geniale Geist macht sich die Materie untertan und schafft noch nie dagewesene Dinge. Eigentlich eine Form von Magie. Sie dürfen nur nicht den Fehler machen, den die Erfinder gemacht haben, denn sie sind nie reich und sexy geworden. Oder fällt Ihnen einer ein? Edison? Nun ja, berühmt geworden ist er. Doch wie sexy ist eine Glühbirne?!
Genau das ist der Fehler, den Erfinder immer wieder gemacht haben. Sie haben nützliche Dinge erfunden, um die Menschheit voranzubringen. Dabei will die Menschheit gar nicht vorangebracht werden, sie will sich doch bloß ein bisschen amüsieren.

Also erfinden Sie Dinge, die Vergnügen machen, wie der Tamagotchi zum Beispiel, die vollkommen nutzlos ist, die aber von Millionen Kids in aller Welt gekauft wurde. Sogar von Kids über 30. Erfinden Sie nun Tamaflirti, den virtuellen Flirtpartner. Er verfügt über verschiedene Schwierigkeitsstufen, wie im richtigen Leben. Für das jeweilige Niveau gibt es passende Komplimente auf Knopfdruck, und danach wird wahlweise zum Italiener eingeladen, übers Wochenende in die Jagdhütte oder zum Urlaub in die Karibik. Wenn das Ziel schließlich erreicht ist, wenn dieser virtuelle Flirtpartner erobert ist, dann kommt das nächste Spiel: das Tamasutra. Wie das funktioniert, können Sie sich nun mit Vergnügen selbst ausmalen.

Merke: Erfinde niemals Dinge, die die Menschen weiterbringen. Erstens will das niemand. Es ist wahnsinnig schwierig, die Menschen von etwas Vernünftigem zu überzeugen. Machen Sie es sich nicht unnötig schwer. Erfinden Sie Dinge, die kein Mensch braucht. Auch finanziell ist das ein Riesenvorteil. Für eine Glühbirne können Sie nicht mehr nehmen als 2 Mark 50, und das auch nur für ausgefallene Modelle. Für ein Tamaflirti können Sie anstandslos 25 Mark verlangen. So werden Sie ein wundervolles Leben haben. Sie werden sich mit schönen und originellen Dingen beschäftigen. Und jeder wird Sie dafür lieben (bis auf ein paar moralinsaure Lehrer und Psychologen), und Sie auch noch reich machen.

Trotzdem kann es passieren, dass Ihnen auch die eine oder andere nützliche Sache einfällt. Diese Ideen sollten Sie nicht gleich verwerfen. Sie sollten sie gut verstecken, bis kurz vor Ihrem Tod. Dann geben Sie sie einem Rechtsanwalt, der später der staunenden Nachwelt präsentiert. So werden Sie nach Ihrem Tode noch unsterblich. Sie werden als genialer Erfinder in die Geschichte eingehen, doch zu Lebzeiten waren Sie reich und sexy.

Werber

Auch dies ist ein sehr schöner Beruf mit langer Tradition. Früher nannte sich der Werber Alchimist. Während er damals versprach, Staub in Gold zu verwandeln (was oft schiefging, weil es überprüfbar war), ist er heute klüger. Der Alchimist von heute verspricht, etwas anderes in Gold zu verwandeln: Teebeutel, Sportwagen, Babywindeln, Parfüm, Hundefutter ... für was er gerade arbeitet.

Dafür brauchen brauchen Sie als Werber lediglich ein Millionenbudget – als Honorar für Ihre geniale Werbung. Media kostet natürlich extra, wenn die Werbung auch veröffentlicht werden soll. Das müssen Sie zunächst Ihrem Kunden erklären. Damit wären wir auch schon bei der wichtigsten Zielgruppe in der Werbung. Die wichtigste Zielgruppe ist nicht etwa die Zielgruppe, sondern der Kunde. Für das Millionenbudget dürfen Sie nicht gleich das Blaue vom Himmel versprechen, das wäre wieder das Staub-zu-Gold-Argument). Sie müssen Ihrem Kunden die Sache so erklären: Wenn er in einem Flugzeug auf 10.000 Metern Höhe plötzlich die Triebwerke abschaltet, was würden dann passieren? Genauso würden seine Umsätze abstürzen, wenn er die Werbung ausschaltet.

Das erzählen Sie dem Kunden, und dann zeigen Sie ihm die schönen, bunten Anzeigen, Broschüren, Plakate und Spots, die Sie für ihn gemacht haben. Sie haben sie tatsächlich für ihn gemacht, denn die wichtigste Zielgruppe in der Werbung ist nun mal der Kunde. Das dürfen Sie nie vergessen. Wenn der Kunde Ihre Werbung nicht genial findet, wird die Zielgruppe sie erst gar nicht zu sehen bekommen. Sie müssen Ihren Kunden unter allen Umständen davon überzeugen, wie genial Ihre Werbung ist. Er darf nie auf die Idee kommen, das zu überprüfen. Sonst wären Sie genau in der Situation, die damals den Alchimisten solche Schwierigkeiten gemacht hat.

Leider gibt es heute Kunden, die Sie in diese Situation bringen. Vor allem unter den Großkunden – die mit den zweistelligen Millionen-Etats – gibt es einige, die so verrückt sind, weitere Millionen für Marktforschung auszugeben. Dann wird es eng, aber es gibt ein paar Tricks. Dann nämlich besprechen Sie mit dem Chef der Marktforschungsagentur das Ergebnis der Studie, bevor sie durchgeführt wird. Das hat den Vorteil, dass sie erst gar nicht durchgeführt werden muss und Sie sich mit dem Marktforschungs-Chef das Millionen-Honorar teilen können.

Und selbst falls der Kunden darauf bestehen sollte, die Studie selbst mit der MaFo-Agentur durchzuführen ... und womöglich auch noch herauskommt, dass der Verbraucher Ihre geniale Kampagne gar nicht so genial findet ... Dann stellen Sie fest, dass die Studie einen methodischen Fehler aufweist und daher gar nicht repräsentativ sein kann. Oder Sie verweisen auf den Interviewer-Effekt, der das Ergebnis verfälscht. Oder Sie erklären, dass viele erfolgreiche Kampagnen in der Marktforschung gefloppt sind, und der Kunden dann trotzdem den Mut hatte, sie durchzuziehen. So können Sie aus den Töpfen Ihrer Kunden schöpfen.

Die eigentliche Arbeit brauchen Sie nicht einmal selber zu machen. Sie brauchen nur einen Art Director, der so aussieht wie Dali zu seinen besten Zeiten, und einen Texter, der den Eindruck macht, er sei ein David Copperfield des Wortes. Sie selbst brauchen nur die unerschütterliche Überzeugung auszustrahlen, dass Sie einem Toten noch eine Lebensversicherung verkaufen könnten. Also letztlich aus Staub noch Gold machen können, und damit schließt sich der Kreis.