Sex doesn't sell

Werbung

28 Juli 2015

Sex in der Werbung ist ein guter Blickfänger, aber ein schlechter Verkäufer

Posted in Juli 2015

'Sex sells' ist einer der universellen Grundsätze in der Werbung. Und wenn einer Werbeagentur gerade die kreativen Ideen ausgegangen sind, oder wenn sie vom Kunden schon alle abgelehnt wurden, dann geht 'sexy' fast immer. Die Ergebnisse springen uns ja jeden Tag aus den Medien an. 

Dies hat Brad Bushman nun als sinnlos eingestuft. Der Psychologe und Kommunikationswissenschaftler der Ohio State University analysierte mit seinem Kollegen Robert Lull 53 Studien, die 'Sex und Gewalt in der Werbung' untersuchten. Die Studien betrachten Umfragen aus über 44 Jahren, die verschiedene Medien wie Print, TV und Film und sogar Videospiele umfassen.

Das Fazit lautet, so Bushmann: "Menschen konzentrieren sich so stark auf die sexuellen Inhalte in den Medien, dass sie die eigentliche Werbebotschaft nicht mehr beachten". Besonders Männer, muss man fairerweise hinzufügen. "Männer schenken Sex und Gewalt mehr Aufmerksamkeit als Frauen", ergänzt Lull, "das stimmt mit der Evolutions-Theorie überein." 

Bloß noch Entertainment

Allerdings sind US-Amerikaner, die ja die Teilnehmer dieser Studien waren, deutlich prüder als zum Beispiel Europäer. Zudem sind die Studien teilweise aus den Siebziger Jahren, wo dies noch stärker ausgeprägt war als heute.
Die Probanden hatten zu den Marken, deren Werbung im Umfeld von Sex oder Gewalt gezeigt wurden, laut Studie sogar eine negative Einstellung. Dabei schnitt Sex immerhin weniger schlecht ab als Gewalt. Doch dies hat in den letzten Jahren offenbar nachgelassen. Brad Bushmann vermutet eine "Desensibilisierung", weil die Leute solche Werbung heute viel öfter und daher etwas gelassener sehen.

Es bleibt die Erkenntnis, dass Sex in der Werbung zwar ein Hingucker ist, aber ein so starker, dass die Botschaft offenbar auf der Strecke bleibt. Damit ist solche Werbung bloß noch Entertainment, das nicht verkauft. 
Mich würde allerdings interessieren, WAS damit nicht verkauft wird? Bei Kondomen oder Seitensprung-Portalen sehe ich eine natürliche Verbindung und daher noch eine Chance auf Werbewirkung, bei Alufelgen oder Halbfett-Margarine eher nicht.

Wer sich für die Meta-Studie der beiden US-Forscher interessiert, findet sie im "Psychological Bulletin": http://psycnet.apa.org/?&fa=main.doiLanding&doi=10.1037/bul0000018